Arne @ LUT – Lappeenranta 2006

3. September 2006

Es geht los!

Gespeichert unter: Berichte — Arne @ 11:51

Moi!

willkommen also zu meinem Blog, in dem ich über mein Auslandssemester berichten werde!

Ich bin jetzt seit letztem Montag im finnischen Lappeenranta. Lappeenranta liegt in Südosten Finnlands, in der Nähe der russischen Grenze. Unter http://www.lappeenranta.fi findet ihr alles mögliche über die Stadt. Kurze Zusammenfassung: Es ist wunderschön hier!!


Auf der Hinreise im Zug habe ich mich gewundert, dass selbst 2 Minuten vor der Ankunft keine Anzeichen einer Stadt zu sehen waren. Stattdessen Wälder und Seen links und rechts der Bahnstrecke. Der Grund ist, dass Lappeenranta eine extrem langgezogene Form hat und entlang des Ufers des Saimaa-Sees gebaut ist. Dadurch sind die Entfernungen zwar groß, aber alles ist sehr grün. Nun ist Lappeenranta mit 60.000 Einwohnern für deutsche Verhältnisse auch nicht sehr groß, aber immerhin die elftgrößte Stadt Finnlands, wenn ich das richtig behalten habe.

Empfangen wurde ich am Montag mittag von Kristian, meinem Tutor, und Katarina aus Hannover, die 3 Stunden vor mir angekommen war. Dann gings erst einmal in die Uni zum Essen, welches wirklich gut ist. Für 2,20 bekommt man das günstigste Essen, Wasser und Saft, Salat und Brot und kann sich von allem nachnehmen! Angesichts meiner noch spärlich ausgestatteten Küche werde ich vermutlich nur Sonntags kochen – notgedrungen, denn da sind die Mensen geschlossen…

Beim Rundgang durch die Uni war ich dann teilweise sprachlos, denn im Vergleich zur Uni Hamburg fühlt man sich wie in einem Luxushotel, mit Parkett in einigen neueren Teilen des Gebäudes, kleinen Gärten und vor allem keinen Abfällen oder Schmierereien auf den Fluren. Die LUT ist relativ jung und zählt zu den am höchsten angesehenen des Landes – und das sieht man!

Nach dem Essen gings dann zurück in die Innenstadt, eine Strecke von gut 7 Kilometern. Dort eröffneten wir finnische Kontos und ich kaufte das nötigste ein, denn in meiner Wohnung befand sich genau gar nichts an Haushaltsutensilien. Ansonsten ist sie in Ordnung und relativ hell. Zur Uni gehe ich etwa 5 Minuten, zum nächsten Supermarkt etwa 15.

Mein Zimmer:

Zimmer

 

Die Küche:

Kueche1Kueche2

Mein Mitbewohner ist Oscar aus Barcelona. Oscar ist sehr nett und wir verstehen uns gut. Er schreibt hier seine Diplomarbeit in Computer Science und hat, was ich sehr sympatisch fand, ziemlich viel spanischen Räucherschinken mitgebracht.
Am Montagabend nahm Kristian mich mit zu einer Party bei seiner Nachbarin. In dieser Woche sind auch für die finnischen Erstsemester (Freshmen) Orientierungsveranstaltungen, die an jedem Abend vor allem diverse Feiern beinhalten. Es war ein sehr lustiger Abend, an dem ich erfuhr, welche finnischen Uni-Traditionen es gibt, dass erstaunlich viele Finnen deutsch sprechen oder in Deutschland gelebt haben, und dass man aus einem McGyver-DVD-Abend problemlos Trinkspiele generieren kann. Später ging es in eine Bar ganz in der Nähe, das Iltatähti („Abendstern“), die ich sicher noch oft besuchen werde, auch wenn die Musik gewöhnungsbedürftig war.

Ohne Rücksicht auf Schlafdefizite gings dann am Dienstag in die Uni, wo Kristian uns mit dem vielen Papierkram half, der erledigt werden muss, und uns weitere Teile des Campus zeigte. Dabei fiel uns auf, wie gut Austauschstudenten hier versorgt werden. Überhaupt ist die Uni sehr international veranlagt, fast immer sind die Hinweisschilder und Formulare neben Finnisch auch auf Englisch.

Nachmittags kam dann Alberto aus Madrid hier an, der dritte in unserer Tut-Gruppe. Mit ihm zusammen gingen wir abends zur „Hartwall-Arena“ an der Uni, im Grunde ein kleiner Sportplatz. Dort traten die unterschiedlichen Studiengänge gegeneinander an: Die Tutoren in ihren Overalls, deren Farbe sich nach Studiengang richtet, mussten mit „ihren“ Studenten zum Beispiel eine Bier-und-sonstige-Drinks-Rallye absolvieren. Am Ende fand die berüchtigte Line-of-clothes statt, vielleicht könnt ihr euch denken, woraus diese bestand. Zumindest wurden die Flutlichter ausgeschaltet und Fotos offiziell verboten. Ich war dann doch ganz froh, dass wir kein Erasmus-Team auf die Beine gestellt hatten :-)

Freshmen-Games

Auch am Dienstag gings anschließend auf einige Absacker ins Iltatähti…

Mittwoch war der erste Tag der Orientierungseinheit für die Erasmus-Studenten. Wir sind etwa 165 Leute hier, die meisten kommen aus Deutschland, Spanien und Frankreich. Viele Verantwortliche gaben uns viele Informationen, und vieles ist sicherlich schon vergessen. Einen bleibenden Eindruck hinterließ jedoch der Pastor, der die Kirchen der Stadt und die Kapelle der Uni vorstellte („I’m your local papa!“). Sehr lässig holte er am Ende seine Gitarre raus und spielte vor 165 verdutzten Gesichtern ‘El condor pasa’…

Mittwoch nachmittag nahmen Katarina, Alberto und ich uns vor, Fahrräder zu kaufen, denn die große Entfernung zur Innenstadt und die auf Dauer hohen Buspreise nötigten uns dazu, auf günstigere Transportmittel umzusteigen. Die drei Fahrradläden, deren Adressen wir bekommen hatten, haben wir auf der suche nach gebrauchten Rädern abgeklappert, aber nur Katarina hatte Erfolg. Abends ging es dann wieder mit allen Exchange students auf eine sehr schöne Kreuzfahrt auf dem Saimaa-See, später noch in eine Bar in der Stadt.

Donnerstag war der erste Tag, an dem es regnete. Es gab weitere Vorträge an der Uni. Außerdem hatten auch Alberto und ich Glück und fanden Fahrräder. Abends spielten wir mit einigen anderen Erasmus-Leuten unter profesioneller Anleitung finnsche Sportarten. Sehr lustig war dabei „kykkä“, eine Art Mischung aus Kegeln und Baseball…

Freitag morgen stand eine Führung durch die Bibliothek auf dem Programm – im Vergleich zu Hamburg ist diese natürlich sehr klein. Sehr interessant war ein Online-Dienst, der zurzeit getestet wird. Mit diesem hat man täglich vollen Zugriff auf Zeitungen aus allen möglichen Ländern, aus Deutschland z.B. SZ, Mopo und Kicker…

Nachmittags erstellte ich dann meinen künftigen Stundenplan. Morgen beginnt die erste richtige Vorlesungswoche, ich bin sehr gespannt! Am Abend fuhren wir in die Stadt zum Hafen. Dort gab es ein großes Stadtfest mit Einheimischen in Trachten, die sangen und tanzten, und für hiesige Verhältnisse waren wirklich Menschenmassen auf den Beinen. Beim Rundgang am Hafen stießen wir auf abgesperrte Bereiche, genau dort, wo am Mittwoch unsere Kreuzfahrt begann. Neugierig stellten wir uns zu den Schaulustigen, um dann eine Kolonne von Polizeiwagen, Reisebussen und schwarzen Volvos beobachten, die direkt vor uns halt machte. Es handelte sich um die EU-Außenminister, die zu einer Tagung in Lappeenranta waren! Sie hatten offenbar das selbe Schiff wie wir für eine Bootstour gechartert. Ich konnte einige Fotos von Steinmeier machen, leider sehen sie aus wie schlechte (weil unscharfe) Paparazzi-Fotos. Anschließend besichigten wir einige Sandskulpturen mit Motiven aus unterschiedlichen Ländern.

Nach einem ausührlichen Stadtbummel entschieden wir uns dann zur Heimfahrt. Ich werde demnächst einige Fotos mehr hier reinstellen.

Gestern, also Samstag, radelten wir zum Fußballstadion um die Zweitligabegegnung Lappeenranta – Tampere anzusehen. Außer uns 20 Erasmus-Studis waren allerdings nicht allzuviele Fans gekommen, und als es am Ende 0:6 stand, wussten wir auch warum. Lappeenranta ist offenbar abgeschlagen auf dem letzten Platz. Aber was solls, dabeisein ist alles!

Am Abend wollte ich eigentlich mit einigen deutschen das Spiel gegen Irland sehen, aber der Irish Pub konnte sich seltsamerweise nicht zu einer Übertragung des Spiels durchringen. Im Sporttipub sahen wir dann das Spiel Polen gegen Finnland, bei den Finnischen Toren (Endstand 3:1 für Finnland) kam fast WM-Feeling auf! Auch diesen Abend ließen wir eher gemütlich mit einigen Runden Billard ausklingen. Ursprünglich wollten wir dem frisch eröffneten Club „Giggling Marlin“ einen Besuch abstatten, ließen uns aber von der hohen Preisen abschrecken, und nahmen uns vor, Mittwochs oder Donnerstags dort hinzugehen, wenn das Bier 1 statt 4 Euro kostet…

Es gibt also noch viel zu tun, nicht nur in der Uni :-) und ich bin mir sicher, diese 4 Monate werden eine tolle Erfahrung! Demnächst mehr, ich freue mich über eure Kommentare!

2 Kommentare »

  1. Mensch du das hört sich richtig gut an. Ich freu mich für dich das du so viel spaß dort hast. Sind die Vorlesungen eigentlich auf Englisch?

    Gruß Marco

    Kommentar von Marco — 4. September 2006 @ 11:28

  2. Ja, die Vorlesungen sind alle auf Englisch. Auf Finnisch hätte ich keine Chance, mehr als die ersten Sekunden zu verstehen! Aber am Montag fängt mein Finnischkurs an, so dass ich hoffentlich bald ein paar Sätze Finnisch kann…

    Kommentar von Arne — 7. September 2006 @ 18:48


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