Arne @ LUT – Lappeenranta 2006

10. September 2006

Die zweite Woche

Gespeichert unter: Berichte — Arne @ 20:43

Schon wieder ist eine Woche um in Lappeenranta. Ich sollte mir angewöhnen, häufiger was zu schreiben, dann werden die Beiträge auch kürzer…


Letzten Sonntag sind Dominik und ich zu einer kleinen Radtour am See entlang aufgebrochen, ein paar Fotos habt ihr vielleicht hier schon gesehen. Das Waldgebiet um den See ist wirklich schön. Allerdings gibt es auch ein paar Wohngebiete hier die alles andere als hübsch sind.

Montag hatte ich meinen ersten Kurs an der Uni, ‘International Business Methods’. Der Prof, Mr. Ttiusanen, ist ein waschechtes Original. Gleich zu Beginn meinte er (Alter: 65), er mache seinen Job nur noch solange, wie er in vertikaler Position sei – sobald er in die Hotizontale übergeht, sollten wir Verständnis dafür haben, dass er nicht mehr lehren könne. Mit solchen Sprüchen versehen ist die Vorlesung dann auch ziemlich unterhaltsam, auch wenn er manchmal etwas schwierig zu verstehen ist. 4 Wochen lang habe ich diese Vorlesung, und zwar Montags, Dienstags, Mittwochs jeweils 4 Stunden.

Im Gegensatz zur Uni Hamburg gibt es hier keinen Stundenplan, der das gesamte Semester gültig ist, im Extremfall kann man jede Woche unterschiedliche Veranstaltungen haben. Das Semester ist aufgeteilt in 2 Perioden, auf die jeweils eine Klausurenwoche folgt. Es gibt Kurse, die ausschließlich in einer Periode stattfinden, aber auch solche, die das ganze Semester dauern. Dazu noch Intensivkurse an nur wenigen Tagen, dann aber ganztags. Außerdem gibt es auch Kurse ganz ohne Vorlesung, auf die Klausur muss man sich dann mit Literatur vorbereiten. Das Semester zu planen, war daher nicht ganz einfach für mich. Leider weiß ich immer noch nicht die Zeiten aller Kurse.

Nachmittags stellten sich die unterschiedlichen Clubs der Uni vor. Ich schätze mal, es gibt mindestens 20 verschiedene Clubs, an denen man teilnehmen kann, vom Frauenchor bis zu Elektrotechnik. Viele von uns – mich eingeschlossen – meldeten sich beim Hiking-Club an, denn dieser organisiert regelmäßig Wochenendtrips in die Natur. Außerdem kann man jede Menge Sport machen, das Angebot werde ich auf jeden Fall nutzen.

Montag abend fand eine Strandparty statt (Bilder), bei der auch die Finnen dabei waren. Natürlich durfte die Sauna nicht fehlen, in diesem Fall befand sie sich in einem kleinen, unscheinbaren Wohnwagen… Im Laufe des Abend arbeiteten die Erstsemester daran, sämtliche Tutoren in den See zu befördern – auch so eine Tradition, weshalb auch kaum Widerstand geleistet wurde.

Dienstag nachmittag gings auf eine Bustour durch Lappeenranta. 2 Stunden Sightseeing standen auf dem Programm. Begeistern konnte mich die Fahrt aber nicht wirklich. Die historische Altstadt, die innerhalb einer ehemaligen Festung auf einem Hügel am Hafen liegt, ist ziemlich unspektakulär, denn die Häuser sehen alle zu modern aus.

Mittwoch nach der Uni entschlossen wir uns spontan, zu fünft zur Orientierungs-Rallye zu gehen. Die finnischen Ersties müssen dabei ungefähr 12 Stationen ablaufen und jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Start war am Hafen, Ziel an der Uni. Zum Glück nahm Mark uns im Auto mit, denn es nieselte beständig.

Ausgerüstet mit Stadtplan, Regenschirmen und Bier nahmen wir – als einzige Austauschstudenten – die Herausforderung an. Die erste Aufgabe war eine altbekannte: Mit einem 5-Liter-Eimer und einem 3-Liter-Eimer 4 Liter Wasser abmessen. So schnell wie bei dieser gings aber nicht weiter. An der zweiten Station mussten wir die Jury mit einer Performance überzeugen. Nach langem Grübeln entschieden wir uns zu einer Darstellung von Hänschen Klein, natürlich mit musikalischer Untermalung. Obwohl wir im Gegensatz zu den besser vorbereiteten Finnen nicht genug Alkohol dabei hatten, um die Punktrichter zu bestechen, schnitten wir ganz gut ab. Weiter gings zum Stand des Theater-Clubs, wo wir wieder etwas vorführen mussten. Diesmal brachte Katharina uns anderen einen Pinguin-Tanz bei, der aber eher ein müdes Lächeln einbrachte. Naja, Hauptsache wir hatten unseren Spaß :-) Ein paar Bilder könnt ihr euch hier ansehen…

Nach einem kurzen Abstecher zum Karaoke-Zelt, wo wir Frank Sinatras ‘New York, New York’ eher schlecht als recht zum Besten gaben bestanden die nächste Aufgaben daraus, einen Stecker richtig zusammenzubauen, ein Protest-Plakat zu entferfen (Was läuft falsch in der Welt?). Unser Anliegen, Finnisch müsse Weltsprache werden, fand viel Beifall. Weiter gings zum Marktplatz, wo wir schon von weitem viele strippende Finnen sahen. Um diese Einlage konnten wir uns dank des Verhandlungsgeschicks der 3 Mädels drücken und brachten den Finnen stattdessen ‘Viva Colonia’ bei – mit erstaunlichem Erfolg, denn später am Abend empfing uns eine Studentin mit genau diesem Lied.

Zurück an der Uni hatten wir die Wahl zwischen ein paar Runden im See und einem CD-Weitwurf. Wir entschieden uns – vermutlich als eine der wenigen Gruppen – für die zweite Option. Einige Finnen stürzten sich nebenan unerschrocken ins Wasser. Auch beim folgenden Bettlaken-Toga-Staffellauf überließen wir es den Finnen, die Klamotten fallen zu lassen. Nach den letzten Stationen ging es noch auf eine Party im Uni-Gebäude, bei der aus gutem Grund am Eingang Ohrstöpsel verteilt wurden, denn die Live-Bands waren extrem laut.

Der Donnerstag war ein ruhiger Tag. Abends gingen wir zur ‘Pig party’, bei der ein Schwein gegrillt werden sollte. Leider bekamen wir davon nichts mehr mit, als wir ankamen war es restlos verputzt. Auch bei der späteren Siegerehrung gingen wir leer aus, unser Engagement beim Orientierungslauf wurde also nicht belohnt.

Den Freitagvormittag verbrachte ich mit Wäschewaschen, den Nachmittag mit Kuchen backen. Abends fand das ‘Global Village’ statt, eine von AIESEC organisierte Feier, bei der jeder sein eigenes Land vorstellen soll, vorzugsweise mit typischem Essen und Trinken. Mit einigen anderen Deutschen entschied ich mich für Apfelkuchen, wobei wir feststellten, dass ein typisch deutsches Nationalgericht schwierig zu finden ist. Die Feier war klasse, man konnte die unterschiedlichsten Gerichte probieren. Highlights waren ein Kuchen aus Litauen, Sushi aus Japan sowie Vanilleeis mit Cola (!), wofür Dan aus Kanada verantwortlich war. Leider hatte ich keine Kamera dabei, darum verweise ich einfach mal auf die umfangreiche Fotogalerie von Katharina (im Menü unter Links), die auch den Trink-Länderwettbewerb gut dokumentiert, den die Spanier trotz Betrugsvorwürfen für sich entscheiden konnten. Weitergefeiert wurde einmal mehr in der nahegelegenen Bar, dem Iltatähti…

Samstag ging ich mit Oscar, meinem Mitbewohner, um 14 Uhr (direkt nach dem Aufstehen) in die Mensa. Den Abend verbrachte ich mit Heimkino, denn es regnete den ganzen Tag in Strömen. ‘Walk the Line’ ist wirklich sehr zu empfehlen.

Dafür war das Wetter heute um so besser. Morgens war ich joggen entlang des Seeufers. Sehr schöne Strecke! Nachmittags war ich noch kurz bei Hendrik (auch aus Hamburg), der Geburtstag hatte.

Morgen früh fängt mein Finnischkurs an, in dem ich hoffentlich einiges lernen werde.

1 Kommentar »

  1. klingt echt cool, immer schön weiterschreiben =)

    aber erzähl das mit dem Tutoren im See versenken bloß nicht unseren Erstis, da bin ich strikt gegen :D

    Gruß,
    Vincent

    Kommentar von Vincent — 12. September 2006 @ 11:05


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