Was macht man, wenn man am Donnerstag nachmittag feststellt, dass man bis zum nächsten Mittwoch keine Uni hat? Wenn man weiß, dass dies die letzten sechs „freien“ Tage am Stück sein werden? Man könnte zum Beispiel nach Lappland fahren!
Unser Ausflug in den Norden kam sehr spontan zustande. Nach langwierigen Überlegungen entschieden wir uns, mit dem Auto zu fahren. Mit dem Nachtzug wäre es zwar deutlich bequemer gewesen, aber die Züge fahren nicht bis ganz in den Norden, so dass wir relativ unflexibel gewesen wären Am Freitag kaufte ich mir noch ein Paar Wanderschuhe und wir entschieden uns für das erste Ausflugsziel, Rovaniemi, und buchten dort ein Hostel für die erste Nacht. Am Samstag morgen gings dann los in Marks Golf: Mit Mark, Janina, Katharina, Max und mir war das Auto voll belegt.
Ich habe unsere Strecke mal in der Karte markiert, damit ihr ein Gefühl für die Entfernungen bekommt. :-) Insgesamt sind wir fast 3.000 Kilometer gefahren!
Nach etwa 20 Minuten kam das erste ganz große Highlight.
Ein waschechter Elch, ausgewachsen und mit Geweih, stand direkt an der Straße auf einem Feldweg. Natürlich haben wir angehalten. Als wir uns ihm näherten, wurde es ihm allerdings zu ungemütlich und er trabte Richtung Wald. Etwa 50 Meter von uns blieb er stehen, und ich holte meine Kamera aus dem Auto. Als ich wiederkam, lief er aber gemütlich weiter in den Wald hinein – sehr unhöflich. Auf einem Foto ist er immerhin schemenhaft zu erkennen (genau in der Bildmitte, und sagt nicht, ihr seht dort nix!).
Hoch motiviert und halbwegs wach fuhren wir weiter. Die finnische Landschaft ist auch aus dem Auto wunderschön. Wälder und Seen wechseln sich ab, und zu dieser Jahreszeit, finnsch ‘ruska’, sind die Blätter der Birken in allen erdenklichen Gelbtönen gefärbt.
Unseren ersten längeren Stopp machten wir am Torniojoki, dem finnisch-schwedischen Grenzfluss mit seinen Stromschnellen.
Richtung Rovaniemi fuhren wir über kleinere Straßen, und trotz Regen sahen die Birkenwälder toll aus:
Das Auto wurde auf den Schotterwegen hart rangenommen:
In Rovaniemi übernachteten wir im Hostel Rudolf, benannt nach dem rotnäsigen Rentier! Am frühen Abend checkten wir ein. Anschließend machten wir einen kleinen Stadtrundgang (der Ort ist nicht sehr spektakulär) und gingen Essen. Mit einigen Uno-Partien ließen wir den Abend ausklingen.
Der Sonntagmorgen war leider ziemlich verregnet. Es war auch schon merklich kälter als in Lappeenranta, schließlich befindet sich Rovaniemi fast auf Höhe der Polarkreises. Unsere nächste Station war das Weihnachtsmanndorf ein paar Kilometer nördlicher, durch welches der Polarkreis hindurchgeht. Dort wohnt tatsächlich der Weihnachtsmann, ich habe ihn persönlich gesehen. Ein sehr geschäftstüchtiger Weihnachtsmann, denn Fotos mit ihm lässt er sich teuer bezahlen…
Nach einem Rundgang durch die Souvenirshops und die Poststelle gab uns eine Mitarbeiterin den Tipp, in der Nähe eine Wanderung zu machen. Das taten wir dann auch – nach einem gemütlichen Frühstück im Auto. Der Wanderweg führte durch ein hügeliges Waldstück, in dem wir „unsere ersten“ Rentiere sahen:
Zurück im Auto planten wir dann unsere weiteren Ziele, und entschlossen uns, zum Kilpisjärvi, dem höchsten Berg Finnlands, und dann weiter ins norwegische Tromsö zu fahren. Auf dem Weg trafen wir dann viele weitere Rentiere auf den Straßen an. Die Rentiere werden in vielen Teilen Lapplands gezüchtet, daher sind sie nicht sehr scheu. Mehrmals sahen wir kleine Herden auf der Straße, und sie ließen sich nur hartnäckig vertreiben, indem man ihnen etwas auf die Pelle rückt – immer vorsichtig natürlich.
Natürlich legten wir immer wieder Fotopausen ein, so zum Beispiel an einem See, der am frühen Abend von Nebelschwaden bedeckt war:
Der restliche Weg zum Kilpisjärvi wargezeichnet von holprigen Straßen, sinkenden Temperaturen um die 0 Grad und zum Schluss sogar Schnee!
Am Kilpisjärvi hielten wir auf der Suche nach einer Unterkunft an einem ‘Grilli’ mit Bettsymbol. Es öffnete ein älterer Herr in Trainingsanzug, der aber kein Englisch verstand. (Vielleicht wollte er auch nur schnell wieder rein, Sportschau gucken :-). Wir wollten schon weiter fahren, da kam seine Frau an die Tür und bot uns eine Hütte an, in der wir relativ günstig übernachten könnten. Nachdem wir die Hütte von innen gesehen hatten, konnten wir nicht nein sagen, denn sie war offenbar noch sehr neu und die Ausstattung super, mit Sauna, Waschmaschine, Kamin, und vielem mehr. Später am Abend machten wir noch eine kleine Nachtwanderung, in der Hoffnung, Polarlichter zu sehen, die laut Reiseführer in 3 von 4 klaren Nächten vorkommen. Leider hatten wir kein Glück.
Am Montagmorgen war das Wetter sehr schön. Es war zwar kalt, aber wolkenlos, und eine frische dünne Schneedecke funkelte in der Sonne. Die Strecke durch Norwegen war ein Erlebnis für sich. Die Straße führte über weite Strecken direkt an den Fjorden entlang.
Gegen Mittag erreichten wir Tromsö, eine kleine Insel, die durch 2 Brücken mit dem Festland und einer vorgelagerten, größeren Insel verbunden ist. Zunächst suchten wir die Universität, um in der Mensa zu essen. Selbst dort ist es in Norwegen teuer! Anschließend sahen wir uns die Stadt und den Hafen an:
Sonnenuntergang in einem kleinen Fischerort:
Blick auf die Nordseite der Insel:
Die Nacht verbrachten wir auf anraten der Touristeninformation („Günstige Übernachtungsmöglichkeiten? Die gibt es in ganz Norwegen nicht!“) in einer Holzhütte auf einem Campingplatz.
Am Dienstag vormittag war noch einmal Bergsteigen auf dem Programm. Der kleine Pfad nach oben war ganz schön steil!
Nachmittags machten wir uns auf den Rückweg. Vorbei an weiteren Rentieren ging es wieder oft kilometerlang geradeaus, ohne auch nur auf ein einziges Auto zu treffen.
Mein Bett erreichte ich um etwa 5 Uhr am Mittwoch morgen! Aber gelohnt hat sich der Trip definitiv!
Du hast ja mal wieder tolle Fotos dabei, die sich sicher gut in DIN A2 Großformat in Eurer Wohnung machen würden. Also sicher speichern!.. meint Knud.
Kommentar von gesine — 16. Oktober 2006 @ 23:37